April 2009


Sonntag Morgen – es ist bitter kalt. Schlaf hat es nicht viel gegeben, denn die Füsse fühlten sich an wie Eisklumpen. Ich muss mir fürs nächste Mal unbedingt einen besseren Schlafsack besorgen.
Nach dem Frühstück und dem ersten Spaziergang im Fahrerlager um die Durchblutung in den Füssen etwas an zu regen fühlte ich mich schon viel besser. Den ersten Adrenalinschub hatte ich bereits lange vor dem eigentlichen Rennen, als ich feststellte, dass ich die Trinkblase meines Camelbak zuhause liegen gelassen hatte. Ja gut, es geht auch ohne. Ich habe mir dann einfach eine Wasserflasche in den Rucksack gestopft und an den Zeitkontrollen (CH’s) getrunken.

Mein Start war um 9:08. Ich war früh dran und hatte genügend Zeit um die Uhr meiner KTM auf die geeichte Uhr des Veranstalters ab zu stimmen und meine Sollzeiten auf das Lenkerpolster zu kleben. Mit jeder Minute die der Start näher rückte wurde ich aufgeregter. Die übliche Startprozedur bei klassischen Enduro’s verläuft so: Man schiebt sein Motorrad zusammen mit 3 anderen Startern auf ein Podest und muss es dann in seiner Startminuten starten. Wer sein Motorrad innerhalb der Minute nicht gestartet kriegt muss es 20 Meter vom Startpodest wegschieben und darf da weiterversuchen. Die Startübung gilt somit als nicht erfüllt und das Punktekonto füllt sich bereits mit den ersten Strafpunkten.
Ich hatte keinerlei Probleme und mein Motorrad sprang gut an. Die anderen Starter in meiner Minute hatten ebenso wenig Probleme und so fuhren wir zu viert los. Die ersten Meter nach dem Start verliefen durch die Strassen Granges. Doch schon bald verliess man das Dorf und steuerte Richtung Wald. Ich hatte ein breites Grinsen im Gesicht als wir die ersten Single Trails unter die Räder nahmen. Wir waren immer noch zu viert unterwegs. Es wollte aber keiner so vorne fahren, also übernahm ich diesen Part. Die Strecke war mit Pfeilen ausgeschildert denen man folgen musste. Teilweise waren diese etwas versteckt, teilweise waren sie aber auch klar ersichtlich. Man konnte allerdings auch einfach den Spuren derjenigen welche bereits gestartet waren folgen. Dies klappt auch. Meistens…
Ich gelang 30 Minuten zu früh an die Zeitkontrolle (CH). Laut den anderen Teilnehmern hatte es eine Durchfahrtskontrolle die man hätte passieren müssen. Diese hatte ich verpasst. So ein Mist. Irgendwo muss ich falsch abgebogen sein.
Ich liess mich davon nicht irritieren und entschloss mich einfach in meiner normalen Zeit weiter zu fahren. Die nächsten beiden CH’s waren eng beieinander. Um nach CH 2 zu gelangen waren 15 Minuten gerechnet. Für CH 3 wiederum 16 Minuten. Dies bedeutet meistens dass man zügig unterwegs sein muss, um die Sollzeit einzuhalten. Und so war es dann auch.
Es gab einige knifflige Stellen. Eine lange Steilauffahrt, und eine weniger lange dafür umso knackigere Auffahrt, welche nach der ersten Runde aus dem Wettbewerb genommen wurde weil sie durch die vielen Fahrer zu ausgefahren und schwer geworden war. Die wirklich kniffligen Stellen erkennt man meistens daran, dass einerseits auffällig viele Zuschauer da sind, und andererseits an den Aufsichts-Leuten mit gelben Warnwesten.
CH 4 war dann von der Sollzeit her etwas lockerer. Das Gelände war wunderschön, und hatte noch so Einiges zu bieten. Die Strecke führte durch die Wälder, entlang Bächern und teilweise auch auf Feldwegen zurück in die Nähe von Granges. Bei CH4 war dann ein Verpflegungs- und Tankposten. Hier hatten die meisten ihre Helfer platziert. Celso Gorrara, ehemaliger Dakarteilnehmer und erfahrener Enduropilot war für die KTM Fahrer zuständig und unterstütze diese mit Getränken und Snacks. Er hatte ausserdem am Vortag Benzinkanister eingesammelt und diese dann an CH 4 bereitgestellt, sodass man sein Motorrad tanken konnte.
Nur wenige Meter nach dem Verpflegungsposten fuhr man in die erste SP. Dem Stoppelacker-kurs. Die Kurven waren bereits mächtig ausgefahren und es hatte richtig schöne Anlieger und Spurrillen. Es war ein Vergnügen, durch die Kurven zu flitzen, von den Zuschauern angefeuert. Egal ob man noch die Kraft hat oder nicht: Wenn man angefeuert wird, motiviert das einen noch zusätzlich das letzte Quäntchen Kraft aufzubringen um schnell zu fahren. Einfach herrlich.
Nach der ersten Sonderprüfung führte eine kurze Verbindungsetappe mit einer steinigen Abfahrt und einer heftigen Auffahrt in welcher ich dann direkt stecken blieb und einen kleineren Stau verursachte ( an der Stelle ein “Sorry” an die welche hinter mir warten mussten ;) ) zur zweiten Sonderprüfung.
An SP 2 angekommen war ich noch reichlich erschöpft von der Auffahrt in welcher ich stecken geblieben war. Ich hängte mich an einen Starter welcher mich kurz nach dem Start überholte und liess mich mitziehen. Das Ende der SP war gleichzeitig das Ende des Geländeteils des Rundkurses. Von da aus ging es auf der Strasse zurück zur Dorfmitte, von wo aus man zur 2ten Runde startete…

Man fährt erstmal Richtung Mulhouse. Dann, kurz nach Rixheim -einem beliebten Ort der schweizer Crosser-Szene aufgrund der MX-Piste- biegt man ab Richtung Colmar. Ich habe mir einen Zwischenstop in Rixheim gegönnt um ein Kaffe zu trinken und um zu sehen wer sich so alles auf der MX-Piste rumtummelt. Doch es sind nicht viele da und ich fahre bald weiter Richtung Granges.
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Nach einer kurzen Weile verlässt man die Autobahn und fährt auf normalen Strassen weiter. Erst sind es grosse Hauptstrassen, doch allmählich werden es kleinere Strassen. Die Umgebung wechselt ihren Charakter und es geht einen Berg hoch. Irgendwann nach unzähligen Kurven gelangt man nach Granges-sur-Volonges.
Das Dorf ansich ist klein und gemütlich. Nicht viel deutet auf das Spektakel hin welches sich Sonntags abspielen wird. Lediglich die Renntransporter auf dem Parkplatz des Sportplatzes und einige Pfeile mit Richtungsangaben wo was zu finden ist weisen darauf hin, dass etwas Spezielles im Gang ist.

Ich bin natürlich unendlich zu früh, und trotzdem habe ich das Gefühl viel zu spät zu sein.
Nach einer erstmaligen Verpflegung (französischer Kebab…naja) und dem anschliessenden Auskundschaften der Turnhalle wo das Einschreiben stattfinden wird, fahre ich los um die Sonderprüfungen zu besichtigen.
Wer Enduro fahren will muss auch Wandern als Hobby haben. Zu dieser Erkenntniss bin ich gekommen nachdem ich die Sonderprüfungen abgelaufen bin. Meine Turnschuhe waren dafür völlig ungeeignet und innert kürzester Zeit waren Sie mit Kies und Dreck gefüllt.
SP 1 war ein Cross-Test, ausgesteckt auf einem Stoppelfeld. Nach den ersten 10 Kurven merkte ich dass ein “auswendig lernen” der Strecke so gut wie unmöglich wäre. Ich entschloss mich mir Schlüsselpunkte so gut wie möglich zu merken (die Kurven nach den längsten Geraden, Kurvenkombinationen usw.) und schwor mir das nächste mal Wanderschuhe mit zu bringen.
SP 2 war etwas spannender. Es ging auf einer Wiese welche in einem Hang integriert war hoch und runter. Dabei gab es sogar eine Abkürzung über einen Baumstamm, und an einigen Stellen ein wenig Vegetation welche man umfahren musste. Fahrerisch nichts all zu wildes. Abschliessend verlief die Strecke durch den Wald und Endete vor dem Sportplatz wo die vielen Renntransporter standen.
Da ich bereits alles nötige getan hatte um bestmöglich vorbereitet zu sein und aber immernoch mehr als genug Zeit übrig hatte entschloss ich mich für eine Stunde hinzulegen.
Die administrative sowie die technische Kontrolle um 17 Uhr war eine langwierige Prozedur. Die Anmeldeformulare wurden genauestens geprüft und wenn nur der kleinste Fehler dabei war, endete dies in einem 10 Minutigen Vortrag, wie man Anmeldeformulare ausfüllt. Ich hatte keinen Beleg dabei dass ich die Nenngebühr überwiesen hatte. Verherend. Doch dank Hundeblick und mehrmaligem Ehrenwort das ich überwiesen hätte durfte ich trotzdem starten. Dankeschön.
Anschliessend an die technische Kontrolle kamen die Motorräder in den Parc-Ferme und ich fuhr mit meinem Transporter in ein nahegelegenes Camping.
Die Dusche und ein ausgiebiges Mahl taten mir gut. Noch hastig die Sollzeiten auf ein Klebeband geschrieben (welche dann an das Motorrad geklebbt werden) und ab ins Bett. Gute Nacht.

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In 10 Tagen geht die schweizer Enduro-Meisterschaft los. Ich bin mit dabei. Startnummer 281
Das Rennen findet in Granges, Frankreich statt. Der Anfahrtsweg ist mit 200 km noch gut erträglich.
Doch bis dahin gibt es noch viel zu tun. Ich muss mein Motorrad dem FIM Reglement anpassen und dazu gehört eine funktionstüchtige Belichtung. Mein Transporter muss noch etwas ausgebaut werden damit ich darin schlafen kann.
Aber das krieg ich alles noch bis dahin auf die Reihe und ich freu mich bereits jetzt schon einen schönen Rennbericht schreiben zu können.