Sonntag Morgen – es ist bitter kalt. Schlaf hat es nicht viel gegeben, denn die Füsse fühlten sich an wie Eisklumpen. Ich muss mir fürs nächste Mal unbedingt einen besseren Schlafsack besorgen.
Nach dem Frühstück und dem ersten Spaziergang im Fahrerlager um die Durchblutung in den Füssen etwas an zu regen fühlte ich mich schon viel besser. Den ersten Adrenalinschub hatte ich bereits lange vor dem eigentlichen Rennen, als ich feststellte, dass ich die Trinkblase meines Camelbak zuhause liegen gelassen hatte. Ja gut, es geht auch ohne. Ich habe mir dann einfach eine Wasserflasche in den Rucksack gestopft und an den Zeitkontrollen (CH’s) getrunken.
Mein Start war um 9:08. Ich war früh dran und hatte genügend Zeit um die Uhr meiner KTM auf die geeichte Uhr des Veranstalters ab zu stimmen und meine Sollzeiten auf das Lenkerpolster zu kleben. Mit jeder Minute die der Start näher rückte wurde ich aufgeregter. Die übliche Startprozedur bei klassischen Enduro’s verläuft so: Man schiebt sein Motorrad zusammen mit 3 anderen Startern auf ein Podest und muss es dann in seiner Startminuten starten. Wer sein Motorrad innerhalb der Minute nicht gestartet kriegt muss es 20 Meter vom Startpodest wegschieben und darf da weiterversuchen. Die Startübung gilt somit als nicht erfüllt und das Punktekonto füllt sich bereits mit den ersten Strafpunkten.
Ich hatte keinerlei Probleme und mein Motorrad sprang gut an. Die anderen Starter in meiner Minute hatten ebenso wenig Probleme und so fuhren wir zu viert los. Die ersten Meter nach dem Start verliefen durch die Strassen Granges. Doch schon bald verliess man das Dorf und steuerte Richtung Wald. Ich hatte ein breites Grinsen im Gesicht als wir die ersten Single Trails unter die Räder nahmen. Wir waren immer noch zu viert unterwegs. Es wollte aber keiner so vorne fahren, also übernahm ich diesen Part. Die Strecke war mit Pfeilen ausgeschildert denen man folgen musste. Teilweise waren diese etwas versteckt, teilweise waren sie aber auch klar ersichtlich. Man konnte allerdings auch einfach den Spuren derjenigen welche bereits gestartet waren folgen. Dies klappt auch. Meistens…
Ich gelang 30 Minuten zu früh an die Zeitkontrolle (CH). Laut den anderen Teilnehmern hatte es eine Durchfahrtskontrolle die man hätte passieren müssen. Diese hatte ich verpasst. So ein Mist. Irgendwo muss ich falsch abgebogen sein.
Ich liess mich davon nicht irritieren und entschloss mich einfach in meiner normalen Zeit weiter zu fahren. Die nächsten beiden CH’s waren eng beieinander. Um nach CH 2 zu gelangen waren 15 Minuten gerechnet. Für CH 3 wiederum 16 Minuten. Dies bedeutet meistens dass man zügig unterwegs sein muss, um die Sollzeit einzuhalten. Und so war es dann auch.
Es gab einige knifflige Stellen. Eine lange Steilauffahrt, und eine weniger lange dafür umso knackigere Auffahrt, welche nach der ersten Runde aus dem Wettbewerb genommen wurde weil sie durch die vielen Fahrer zu ausgefahren und schwer geworden war. Die wirklich kniffligen Stellen erkennt man meistens daran, dass einerseits auffällig viele Zuschauer da sind, und andererseits an den Aufsichts-Leuten mit gelben Warnwesten.
CH 4 war dann von der Sollzeit her etwas lockerer. Das Gelände war wunderschön, und hatte noch so Einiges zu bieten. Die Strecke führte durch die Wälder, entlang Bächern und teilweise auch auf Feldwegen zurück in die Nähe von Granges. Bei CH4 war dann ein Verpflegungs- und Tankposten. Hier hatten die meisten ihre Helfer platziert. Celso Gorrara, ehemaliger Dakarteilnehmer und erfahrener Enduropilot war für die KTM Fahrer zuständig und unterstütze diese mit Getränken und Snacks. Er hatte ausserdem am Vortag Benzinkanister eingesammelt und diese dann an CH 4 bereitgestellt, sodass man sein Motorrad tanken konnte.
Nur wenige Meter nach dem Verpflegungsposten fuhr man in die erste SP. Dem Stoppelacker-kurs. Die Kurven waren bereits mächtig ausgefahren und es hatte richtig schöne Anlieger und Spurrillen. Es war ein Vergnügen, durch die Kurven zu flitzen, von den Zuschauern angefeuert. Egal ob man noch die Kraft hat oder nicht: Wenn man angefeuert wird, motiviert das einen noch zusätzlich das letzte Quäntchen Kraft aufzubringen um schnell zu fahren. Einfach herrlich.
Nach der ersten Sonderprüfung führte eine kurze Verbindungsetappe mit einer steinigen Abfahrt und einer heftigen Auffahrt in welcher ich dann direkt stecken blieb und einen kleineren Stau verursachte ( an der Stelle ein “Sorry” an die welche hinter mir warten mussten
) zur zweiten Sonderprüfung.
An SP 2 angekommen war ich noch reichlich erschöpft von der Auffahrt in welcher ich stecken geblieben war. Ich hängte mich an einen Starter welcher mich kurz nach dem Start überholte und liess mich mitziehen. Das Ende der SP war gleichzeitig das Ende des Geländeteils des Rundkurses. Von da aus ging es auf der Strasse zurück zur Dorfmitte, von wo aus man zur 2ten Runde startete…